25 Jahre Große für Kleine Kinderfonds Stiftung

In der Schweiz, im Tiefschnee, fing alles an. Oder besser gesagt: wegen des Tiefschnees. Ein Skitouren-Wochenende sollte es werden im Jahr  1997; von der 2570 Meter hoch gelegenen Rotondo-Hütte aus, im Kanton Uri. Doch mit Skifahren ging gar nichts für Andi und Micha, zwei Freunde aus dem Isartal südlich von München. Es hatte einfach zu viel geschneit. Also entschlossen sich die beiden, einen Bekannten in der Schweiz zu besuchen, trafen aber nur dessen Bruder an. Und der erzählte so herzerwärmend von seiner Kinderfonds Stiftung, dass sich die beiden Isartaler auf der Heimfahrt sagten, das sei doch eine „super Sache“. Statt sich gegenseitig zu den Geburtstagen schöne Sachen zu schenken, könne man doch sammeln und helfen.

 

Als Michael Tetzner, Rufname Micha, zwei Wochen später seinen Geburtstag feierte, kam eine schöne Spende für einen gemeinnützigen Verein zusammen. Das wiederum führte im Freundeskreis zu der Idee, daraus etwas Dauerhaftes zu machen. Mit dabei: natürlich der Andi, Andreas Soellner, dazu Brigitta Wehner, Roland Schmid und Michael Reimer; und noch einige mehr. Nach „heißen Diskussionen“, wie man vorgehen solle und welche Projekte man unterstützen wolle, wurde am 25. April 1997 der „Große für Kleine Kinderfonds“ ins Leben gerufen – ein Stiftungsfonds unter dem Dach der Kinderfonds Stiftung. Nach ersten Aktionen erfolgte dann am 29. Januar 1999  die Umwandlung in eine nichtselbständige Treuhandstiftung, nämlich die „Große für Kleine Kinderfonds Stiftung“.

 

 

 

Die Stiftung kann nach einem Vierteljahrhundert eine durchaus beachtliche Bilanz vorweisen – für ein Gemeinschaftswerk jedenfalls, hinter dem keine großen Namen und schon gar keine Unternehmen stehen, sondern ausschließlich Privatleute, die einfach etwas Gutes tun wollen.

 

Mit Glühwein-Ständen in der Münchner Innenstadt zur Weihnachtszeit, mit Tippspielen bei Fußball-Welt- und -Europameisterschaften, mit einem Benefiz-Konzert der Wellbappn und mit Spenden von dem ein oder anderen Unternehmen hat die Stiftung in 25 Jahren immerhin 260.000 Euro gesammelt. Das Geld floss in viele Hilfsprojekte. In die Tschernobyl-Kinderhilfe München e.V. beispielsweise, der es gelungen ist, die Kinderklink Ochmatdit für lebensrettende Transplantationen so aufzubauen und auszustatten, dass in Zukunft der weitere Betrieb auch ohne laufende Spenden aus Deutschland gewährleistet ist. Oder in das Münchner Kinderhaus AtemReich, das sich liebevoll um schwerkranke Jungen und Mädchen kümmert. Und, und, und.

 

Die Menschen hinter der Stiftung sind: Vorstand Michael „Micha“ Tetzner, Patentanwalt mit eigener Kanzlei in Solln, bei dem die Fäden zusammenlaufen. Andreas Soellner, viele Jahre lang im Projektmanagement bei einem Weltkonzern tätig, jetzt im Vorruhestand. Brigitta Wehner, Konrektorin und Lehrerin im Ruhestand, die sich freiberuflich weiter um Bildungsprojekte kümmert. Michael Reimer, Verfasser und Herausgeber von Wanderbüchern. Roland Schmid, Fotograf. Birgit Lutter, Physiotherapeutin. Evi Schedelbauer, Waldpädagogin. Karin Zanklmaier, Labortechnikerin. Dani Wimmer, Betriebswirtin im Sozialwesen. Martina Hezel, möchte sich als Grundschullehrerin über ihre Arbeit hinaus für eine hoffnungsvolle Zukunft von Kindern engagieren. Daniela Schönig-Ott, Erzieherin und Trainerin, arbeitet gerne mit großen und kleinen Menschen. Klaus Ott, Journalist, der die guten interessanten Texte schreibt. Wolfgang Taschner, freier Journalist in Rente, der sich um die Homepage der Stiftung kümmert. Allesamt Beiräte der Stiftung, von Soellner bis Taschner. Große, die Kleinen, denen es nicht so gut geht, ein klein wenig helfen wollen.

 

Und die so helfen wollen, dass das keine Eintagsfliegen sind. „Uns ist es wichtig, dauerhaft zu helfen“, sagt Soellner. „Die Projektbetreiber, die wir unterstützen, sollen gut planen können.“ Was das konkret bedeutet? Etwa eine mehrjährige Hilfe für eine Schule in Nepal, damit die Kinder dort jedes Jahr eine Schulkleidung bekommen. Genauso wichtig ist es der Stiftung, engen Kontakt zu den Projekten im In- und Ausland zu halten. „Wir helfen, wo wirklich Hilfe nötig ist“, sagt Brigitta Wehner. Dazu gehört auch, genau hinzuschauen, wer unterstützt wird. „Der direkte Kontakt zu den Projektbetreibern ist uns ganz wichtig.“

 

Dass gemeinsam Helfen auch Freude macht, haben die „Großen“, die den Stiftungskreis bilden, von Anfang an gemerkt. Vor allem bei den Glühweinständen zur Adventszeit in der Münchner Fußgängerzone, bei denen jeweils einige tausend Euro zusammenkamen. Den Stand vorbereiten, aufbauen, einen ganzen Tag selbst hergestellten Glühwein (Michael Reimer: „Wir hatten den besten Glühwein in ganz München aus französischem Landwein“), selbst gebackene Waffeln verkaufen, und zum Schluss alles wieder abbauen: Da gibt es eine ganze Menge zu tun. 

 

Aber so ein Gemeinschaftserlebnis ist eben auch ein schönes Erlebnis. Noch dazu, wenn damit die ein oder andere Tasse Glühwein verbunden ist. Wobei alle Helferinnen und Helfer auch bezahlt haben, was sie getrunken und gegessen haben – für die gute Sache eben. Und erfindungsreich sind die Großen auch. Als es in der Adventszeit einmal so warm war, dass einfach niemand Glühwein haben wollte, haben Micha, Brigitta, Karin, Andi & Co. einfach schnell Sekt gekauft und sind mit einem Kinderwagen zur Sonnenbank an der Oper gezogen; als fahrende Sektverkäufer. Der Sekt ging gut weg; auch so kam einiges zusammen. 

 

Und dann natürlich die Tippspiele zu den Europa- und Weltmeisterschaften im Fußball, die am Anfang etwas beschwerlich waren. Da musste Stiftungsvorstand Tetzner die vielen Tipps, die natürlich mit großzügigen Wetteinsätzen der Teilnehmer verbunden waren, noch per Hand auswerten. Ohne Computer. „Da wirst du irgendwann wahnsinnig“, sagt Tetzner. Nun, dieses Schicksal ist ihm und den anderen dann doch erspart geblieben. Das Tippspiel gibt es bis heute, auch dieses Jahr wieder, zur Europameisterschaft (EM). Und die Preise, die es da zu gewinnen gibt (damit möglichst viele Leute mitmachen), sind allesamt ebenfalls gespendet. Aus dem Stiftungskreis selbst (wie die Wanderführer von Reimers Buchverlag), aus dem Umfeld (bis hin zu einer Ballonfahrt) und von Firmen.

 

Nur eine Pause gab es beim Tippspiel: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar. Da hatte nicht nur Amnesty International sich heftig beklagt über die unmenschlichen Umstände, unter denen tausende Gastarbeiter aus Asien auf den Großbaustellen leben und schuften mussten; etliche von ihnen kamen mangels Arbeitsschutzes sogar ums Leben. Für Stiftungsvorstand Tetzner und den Beirat war sofort klar: „Bei dieser WM sind wir mit dem Tippspiel nicht dabei. Da hätten wir sonst unsere Stiftungsidee verraten.“

 

Was noch? Natürlich das Benefizkonzert mit den Wellbappn, mit Hans Well und seinen beiden Töchtern und dem Sohn, im Oktober 2019 in München. Virtuose Künstler, 250 begeisterte Besucher, 6.250 Euro für Kinderhilfsprojekte: besser und schöner hätte ein Benefizkonzert nicht sein können. 

 

Wie geht´s nun weiter? Nach dem Tippspiel zur EM werden wieder die Köpfe rauchen, um neue Aktionen zu kreieren. Die Adventsstände in der Münchner Fußgängerzone gibt´s nicht mehr, weil die Stadt München die Lizenzen dafür nur noch wochenweise vergibt. Und so einen Stand eine ganze Woche lang von früh bis abends ehrenamtlich zu betreiben, das hätte den Stiftungskreis einfach überfordert. „Aber uns fällt schon was Neues ein“, sagt Tetzner. Alle, die dabei sind, wollen einfach nur eines: Etwas helfen in dieser Welt, die momentan etwas in Unruhe gerät, und so ein Zeichen der Hoffnung setzen.